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Bindungsblog

für eine bindungs- und bedürfnisorientierte Erziehung

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Elternschaft ohne Strafen

„Aua!“ – Das Spielzeugauto traf mich am Kopf. Ich drehe mich um und sehe meinen 2-jährigen Sohn vor mir stehen, grinsend. „Nein, Liebling, das ist nicht lustig, es tut weh, wenn du mit Spielzeug nach Menschen wirfst. Ich möchte nicht verletzt werden und ich möchte nicht, dass du mit Dingen um dich wirfst! Ich bin in zwei Minuten mit der Wäsche fertig, dann machen wir ein Autorennen, ok?“ Mit diesen Worten drehe ich mich wieder zum Wäschekorb um. – „AUA! Hör auf, Spielsachen zu werfen!! Ich bin fast fertig, kannst du nicht mal ZWEI MINUTEN warten??“ Ich spüre, wie Wut in mir aufsteigt. Warum macht er das? Er spricht für sein Alter schon sehr gut, er HAT mich also schon beim ersten Mal verstanden. Diese Spielzeugautos tun echt weh! Und sein Grinsen…freut er sich etwa, mich – seine Mama – zu verletzen? Was soll aus ihm werden mit so einer Einstellung? Ein Soziopath?? – „AUUUAAA!! IST DAS DEIN ERNST!?? DAS TUT WEH!!! Kein Autorennen, du gehst jetzt in dein Zimmer, sofort! Und du denkst darüber nach, was du gemacht hast!“ schimpfe ich, während ich meinen nun schluchzenden Sohn in sein Zimmer zerre. Er versucht, sich an mir festzuklammern, aber ich schäle erbarmungslos seine Finger von meinen Beinen. Jetzt überkommt ihn Panik, er kreischt und schreit, sein Gesicht ist von Angst und Entsetzen gezeichnet. Ich schließe die Tür zwischen uns und möchte mitheulen.

…“WWJD“ steht auf meinem Armband. What would Jesus do? Was würde Jesus tun? Hätte Jesus das eben gerade auch getan? Wahrscheinlich nicht. Aber wie sonst lernt mein Sohn zu gehorchen? Warum muss es immer so ausarten, bis er ein „Nein“ oder eine Regel akzeptiert? Und woher kommt dieses gewaltige Gefühl der Wut in mir??


Die eigentliche Herausforderung

Neulich las ich auf Instagram über die „Corona-Wut“ der Eltern. Dies bezeichnet eine Art von Wut, die in Situationen zum Ausdruck kommt, in denen man „vor Corona“ keine oder weniger Wut empfunden hätte. Jetzt aber schimpft man schneller, lauter und bestraft bereitwilliger und härter. Es ist nur logisch, dass es dann dadurch in manchen Familien auch schneller zu körperlicher Gewalt an Kindern kommt.

In diesen Pandemie-Zeiten, in denen nicht nur unser „weltliches“ Umfeld, sondern auch wir als gläubige Christen größeren psychischen Belastungen ausgesetzt sind, wird klar, dass wir uns in der Erziehung unserer Kinder häufig von Impulsen leiten lassen, die nicht „göttlich“ sind. Und diese Impulse (die eigentlich mehr mit uns selbst als mit unserem Gegenüber zu tun haben) führen dann häufig dazu, dass wir unsere Kinder in irgendeiner Form (verbal, emotional oder körperlich) bestrafen.


In den vergangenen Jahren habe ich mich viel mit der Entwicklung von Kindern beschäftigt und bin dadurch zu einem neuen Verständnis über die Beziehung zwischen Eltern und Kindern, unserer persönlichen Beziehung zu Jesus, sowie dem Konzept des „Strafens“ gelangt. Ich denke, dass Strafe in der Erziehung Kindern in ihrer Entwicklung grundlegend schadet. Selbst dann, wenn es beim Strafen in unserer Familie nicht handgreiflich wird und wir keinen Straftatbestand erfüllen. Deshalb haben mein Mann und ich uns dafür entschieden, in unserer Erziehung auf Strafe zu verzichten (was uns selbstredend nicht immer gelingt).

Aber: Erziehung ohne Strafe, geht das denn? Missraten die Kinder dann nicht? Und was ist die Alternative? Im folgenden Artikel möchte ich umreißen, warum Strafe Kindern schadet und wie Eltern zu einem Erziehungsstil ohne Bestrafung gelangen können.


Sinn und Unsinn von Strafe

Mit Strafe egal welcher Art wollen wir Gehorsam und/oder Wiedergutmachung erreichen. Vielen unter uns ist dieser Gehorsam wohl auch deshalb so bedeutsam, weil wir in der Bibel und den Schriften Ellen Whites viel davon lesen, wie wesentlich es ist, dass ein Mensch Gehorsam lernt um nicht nur Eltern und Lehrern, sondern – viel wichtiger – Gott gehorsam sein zu können. Wie schade, dass die vielen Zitate von Ellen White darüber wie man diesen Gehorsam erreicht, dabei meist unterschlagen werden. Es wird davon ausgegangen, dass wir ja wohl wissen, was unter Gehorsam zu verstehen ist und wie er erreicht wird. Leider sehen wir, wie die „gehorsamen“ Kinder vieler Adventisten als Jugendliche und junge Erwachsene der Freikirche den Rücken zudrehen und häufig auch nie wiederkehren.

Die Geschichte der Forschung über das Strafen ist lang. Schon im Jahre 1957 kam eine Studie zu dem Ergebnis: Bestrafung ist „auf lange Sicht unwirksam als Methode zur Eliminierung des Verhaltens, auf das sie gerichtet ist.“ Jüngere Studien bestätigten dies und fanden zudem heraus, dass Eltern, die „das Verletzen von Regeln bei ihren Kindern zu Hause bestrafen, oft Kinder hatten, die außerhalb von zu Hause in großem Umfang Regeln verletzten.“


Warum aber wirkt Strafe nun denn nicht?
  • Bei Kindern unter sieben Jahren ist das Gehirn noch unreif. Der präfrontale Kortex wird erst zwischen fünf und sieben Jahren integriert (und über die nächsten Jahre „programmiert“). Er ermöglicht erst Impulskontrolle, Empathie, Perspektivenwechsel, Konzentration, Moralverständnis, Weitsicht, Verarbeitung von zwiespältigen Gedanken und Gefühlen usw. Kinder vor diesem Alter KÖNNEN sich also z.B nicht ehrlich entschuldigen, da sie sich in den anderen mit Hilfe von Perspektivwechsel noch nicht hineinversetzen können und so auch keine Empathie geweckt werden kann. Sie können auch noch keine Gefühle „mischen“: das bedeutet, sie können noch nicht denken: „Ich bin gerade sehr wütend auf meine Schwester, aber weil ich sie trotzdem liebhabe, schlage ich sie nicht.“ Nein, sie empfinden immer nur eine Emotion, und diese absolut und werden deshalb entsprechend handeln.

Des Weiteren gilt für Kinder aller Altersstufen:
  • Bestrafung macht Menschen wütend. Es handelt sich um eine Form der Kontrolle, die den anderen umso mehr erzürnt, wenn er ihr als „Untergebener“ machtlos ausgeliefert ist. Diese Wut schlägt nach einiger Zeit häufig in Trauer um und das Kind verinnerlicht dann leicht Glaubenssätze über sich selbst wie z.B: Meine Empfindungen sind falsch und meine Eltern haben mich nur lieb, wenn ich mich gemäß der von ihnen vorgegebenen Maßstäbe verhalte.

  • Bestrafung ist ein Vorbild für den Gebrauch von Macht, indem sie zeigt, wie man seine Wut nach außen tragen kann. Das, was das Kind so „lernt“, wendet es dann mit hoher Wahrscheinlichkeit bei anderen an, die sich ihm gegenüber in einer unterlegenen Position befinden.

  • Bestrafung verliert mit der Zeit ihre Wirksamkeit. Je älter die Kinder werden, umso „schlimmere“ Strafen wird man sich ausdenken müssen, um gewünschtes Verhalten zu erzwingen. Was dabei verloren gegangen ist, ist die Bindung und somit echter Einfluss auf das Kind. Es wurde kein Respekt und Vertrauen durch bedingungslose Liebe aufgebaut und wenn sich – spätestens in der Pubertät – das Machtgefälle zwischen Eltern und Kindern angleicht, ist nichts mehr übrig, womit die Eltern auf das Kind Einfluss nehmen können.

  • Bestrafung macht Kinder egozentrischer. Wenn wir strafen, hat das zur Folge, dass das Kind sich vor einer „Tat“ fragt, was die Eltern, Großeltern, Erzieher (die, die die Macht haben) von ihm wollen und was passiert, wenn es dies (nicht) tut. Hier spielt nur das Eigeninteresse des Kindes eine Rolle. Es führt nicht dazu, dass es sich fragt „Was für eine Art Mensch möchte ich sein?“ Je mehr wir auf Strafe zurückgreifen, umso geringer die Chance, dass unsere Kinder darüber nachdenken, welche Auswirkungen ihr Verhalten auf andere Menschen hat. Daraus folgt: jede Art von Bestrafung behindert moralisches Denken.

Diese Auswirkungen des Strafens sind in meinen Augen nicht gottgewollt und entsprechen nicht dem Charakter Jesu den ich meinen Kindern vermitteln möchte.


Alternativen zum Strafen:

Ellen White schreibt im Leben Jesu:

„Es ist weder Furcht vor Strafe noch Hoffnung auf ewigen Lohn, der Jesu Jünger veranlasst, ihm zu folgen; aber des Heilandes unvergleichliche Liebe […]. Liebe erwacht in den Herzen aller, die ihm nahe sind. Sie hören seine Stimme und folgen ihr.“

Jesu Ziel ist es also, dass wir weder aus Angst vor Strafe noch wegen der Aussicht auf Belohnung seine Nachfolger sind. Liebe ist die Motivation wahrer Gotteskinder. Wieso sollten wir das dann bei unseren Kindern anders wollen? Wir finden hier auch die Antwort auf die Frage was man denn dann tun soll, wenn man nicht strafen möchte. So wie wir Jesus folgen, weil wir ihn lieben, werden auch unsere Kinder uns folgen, weil sie uns lieben. Und diese Liebe zwischen zwei Personen drückt sich in der Bindung aus, die diese Personen zueinander haben. Je tiefer die Liebe, umso tiefer die Bindung und umgekehrt. Die Bindung macht das Kind gehorsam. Es will dann den Eltern gehorchen, weil es weiß, dass diese es lieben und gut für es sorgen. Nun mag mancher sagen, nun gut, aber ich liebe mein Kind ja, trotzdem gehorcht es mir nicht. Dazu zwei Dinge:


1. Wichtig ist nicht, dass wir wissen, dass wir unser Kind lieben, sondern dass unser Kind das weiß. Und je nach Alter und Wesensart des Kindes muss es dies von uns auf unterschiedlichste Art und Weise gezeigt bekommen. Nur, wenn es sich der bedingungslosen Liebe seiner Eltern völlig sicher sein kann, kann es darauf mit Gegenliebe und Gehorsam antworten.


2. Wir haben oft die Vorstellung, „Gehorsam“ bedeute, dass das Kind uns aufs Wort folgt wie ein dressiertes Hündchen oder ein Soldat beim Militär. Diese Sicht hat sicherlich auch mit unserer Prägung über (Kriegs-)Generationen hinweg zu tun. Aber hinterfragen wir doch diese Vorstellung von Gehorsam! Ellen White dazu: „Einen Menschen, der zum Ebenbild Gottes geschaffen ist, und den der Schöpfer mit Vernunft ausgestattet hat, darf man nicht wie ein Tier dressieren – auch nicht zu Gehorsam und Wohlverhalten. Haustiere müssen es lernen, sich ihrem Herrn unterzuordnen, weil der für sie denken und die Situation beurteilen muss. Wenn man solche Methoden auf Kinder anwendet, was nicht gerade selten geschieht, macht man sie zu mehr oder weniger unterwürfigen Werkzeugen. Verstand, Wille und Gewissen werden von anderen beherrscht. Gott will nicht, dass so etwas geschieht. Wer es dennoch tut und damit die Persönlichkeit des Kindes zerstört, lädt schwere Schuld auf sich, deren Folgen nicht abzusehen sind.“


Meine erste und wichtigste Empfehlung für Alternativen zum Strafen ist daher, die Bindung zum Kind zu stärken. Dies kann nur geschehen, wenn man weiß, was die Bindung stärkt und die nötige Zeit dafür erübrigt. Denn so entstehen viele Situationen, in denen die Kinder „ungehorsam“ sind, erst gar nicht.


Des Weiteren ist es wichtig, dass wir als Eltern unsere Grenzen achten und diese dem Kind klar kommunizieren. Dies hilft dem Kind, zu lernen, was richtig und falsch ist, was in der Gesellschaft akzeptiert ist, und was nicht. Schon zu einem Kleinkind kann ich in einem liebevollen Ton sagen: „Ich möchte nicht, dass du meine Bücher aus dem Regal ziehst. Sie sind mir sehr wichtig, ich habe Angst, dass du sie kaputt machst. Bitte hör auf damit.“ Und wenn das nichts bringt (was wegen der fehlenden Hirnreife häufig der Fall sein wird): „Jetzt werde ich dir die Bücher aus der Hand nehmen und sie zurückstellen, weil mir wirklich daran gelegen ist, dass sie heil bleiben. Lass uns doch etwas suchen, mit dem du dich stattdessen beschäftigen kannst. Willst du vielleicht eines deiner Bücher mit mir anschauen?“


Ein letztes wichtiges Prinzip, welches hilft, Strafen zu vermeiden, ist das der „elterlichen Reife“, welches ich an einem Beispiel verdeutlichen möchte:


Mila (6) und ihre kleine Schwester Lea (4) sind allein im Wohnzimmer und spielen. Plötzlich wirft Mila unvermittelt einen Bauklotz an den Kopf ihrer Schwester. Ein lauter Schrei erfolgt und kurz darauf sind die Eltern da. Mila flieht in ihr Zimmer und sitzt angsterfüllt vor der zu erwartenden Strafe auf ihrem Bett.


Weiß Mila nicht, dass ihre Tat schlecht war? Doch, sie weiß es ganz genau, sonst wäre sie nicht geflohen. Aber das alleinige Wissen darum, was gut und schlecht ist, verhindert nicht, dass Kinder (und Erwachsene) schlechte Dinge tun.


Milas Vater kommt in das Zimmer, sein Gesicht irritiert sie - er lächelt ganz leicht! Er setzt sich zu Mila und erzählte zu ihrer Überraschung eine Geschichte: „Als ich so alt war wie du, spielte ich meinem Bruder auch oft Streiche, ich habe ihm ein Bein gestellt, seine Socken versteckt oder ihm Senf in sein Müsli geschmiert.“


Ein Gefühl der Erleichterung durchströmt Mila. Ihr Vater verurteilt sie nicht, ja er versteht sie sogar - sie fühlt sich durch seine ähnlichen Erfahrungen mit ihm verbunden.


„Ich wurde aber immer erwischt. Das war nicht schön. Irgendwann habe ich verstanden, dass das Menschen verletzen kann und ihnen im Herzen wehtut.“ Mila hört ihrem Vater, der sich neben sie gesetzt und seinen Arm um sie gelegt hat, voller Bewunderung zu und merkt, dass es stimmt. Es ist nicht gut andere Menschen zu ärgern. „Deine Schwester ist sehr traurig. Was können wir jetzt tun?“ – „Hm…Papa…ich wollte das ja gar nicht machen. Ich weiß nicht, warum ich das gemacht habe…eigentlich hab´ ich die Lea doch lieb…“ Mila überlegt und kommt dann auf die Idee sich bei ihrer Schwester zu entschuldigen und ihr zu sagen, dass sie sie liebhat.


Milas Vater benutzt keine Drohung, Bestechung oder Strafe. Er hält ihr auch keine Moralpredigt. Er stößt sie nicht fort, sondern zieht sie durch Empathie näher zu sich heran. Er nutzt die Beziehung, die sie zu einander haben, um zu vermitteln, wie sie sich zu verhalten hat. Er führt sie liebevoll durch diese Situation, indem er sie annimmt.


Statt zu strafen, sollten wir also
  • kindliche Unreife mit unserer Reife ausgleichen,

  • innerliches Chaos des Kindes durch unsere Struktur ordnen und

  • Verantwortung für sein Fehlverhalten übernehmen

und das alles so lange, bis es reif wird.


Wenn wir auf Jesus sehen, merken wir, dass er mit uns genauso umgeht. Er straft uns nicht, wenn wir – auch wissentlich – etwas falsch machen. Er möchte uns aus Liebe zu sich ziehen. Und so sollten wir das mit unseren Kindern auch tun, denn wir als Eltern prägen das Gottesbild unserer Kinder – vor allem in den ersten Jahren erleben Kinder Gott durch uns: wir stellen ihnen den Charakter Gottes dar!


Abschließende Gedanken

Ich möchte zum Schluss noch einmal ganz deutlich werden: vielleicht haben einige beim Lesen des Artikels den Eindruck gewonnen, ich würde eine Laissez-faire-Haltung in der Erziehung befürworten. Dies ist NICHT der Fall. Laissez-faire bedeutet, dem Kind keinerlei Orientierung zu bieten und es völlig sich selbst zu überlassen. Dieses Vorgehen wäre weder der psychischen Gesundheit des Kindes zuträglich – im Gegenteil – noch ist es biblisch. Es ist unerlässlich, dass wir als Eltern die führende Rolle, die Alphastellung innehaben. Diese vermittelt dem Kind Sicherheit und das Gefühl von Geborgenheit. Das Kind weiß dann: meine Eltern wissen, was sie tun und sagen, sie sind mein sicherer Fels in der Brandung, an ihnen kann ich mich orientieren. Im von mir beschriebenen bindungs- und bedürfnisorientierten Ansatz liegt der Unterschied zur „klassischen“ autoritären Erziehung darin, dass die Eltern das Kind nicht durch Ausnutzen ihrer Machtposition, sondern durch Bindung und wertschätzenden Kontakt ins Leben führen.


Nicht immer wird es uns gelingen, so ruhig wie der Vater im obigen Beispiel zu agieren. Und es ist auch in Ordnung, unseren Kindern klar zu sagen, dass uns etwas ärgert oder traurig macht, sofern wir uns vorher (ggf. im Gebet) soweit unter Kontrolle gebracht haben, dass wir unsere Wut nicht am Kind auslassen. Wichtig ist, dabei nicht stehen zu bleiben, sondern Lösungen und Alternativen zu präsentieren. Gerade bei kleinen Kindern wird es auch oft notwendig sein, im Nachhinein zu erklären, warum ein Verhalten unangebracht war.


Mir ist bewusst, dass die von mir angestellten Überlegungen für viele wahrscheinlich eine Herausforderung darstellen und zuerst innere Abwehr erzeugen. So ging es mir zu Beginn meiner Beschäftigung mit dem Thema schließlich auch. Dennoch bin ich mittlerweile davon überzeugt, dass ich nur durch den Verzicht auf Strafe meinen Kindern Jesus vorleben kann. Das bringt Frieden in unser Haus, in Zeiten von Corona und „Corona-Wut“, wie auch sonst. Ich will dabei nicht unerwähnt lassen, dass mir der Verzicht auf Strafe beileibe nicht annähernd so gelingt, wie ich das möchte. Denn natürlich sind auch wir Eltern täglich auf die Gnade und Hilfe Jesu angewiesen und müssen diese auch in Anspruch nehmen wollen. An den Schluss dieses Artikels möchte ich meinen Lieblingssatz aus dem Werk Ellen Whites stellen:


„Nur Liebe erzeugt Gegenliebe.“

Julia Wanitschek

 

1 Ich möchte Strafe an dieser Stelle gerne mit folgender Definition belegen: „Erziehungsmittel, bei dem ein

Erwachsener das Verhalten eines Kindes in seinem Sinne zu ändern sucht, indem er es einem Unlusterlebnis

oder einer negativen Erfahrung aussetzt. Strafe soll der Wiedergutmachung und der Einsicht in begangenes

Unrecht oder zur Abschreckung bzw. Besserung dienen.“ (https://www.wissen.de/lexikon/strafe-paedagogik,

aufgerufen am 7. Juni 2020)

2 Sears, Robert R., Eleanor E. Maccoby, and Harry Levin. Patterns of Child Rearing. Evanston, IL: Row, Peterson, 1957.

3 Toner, Ignatius J. „Punitive and Non-Punitive Discipline and Subsequent Rule-Following in Young Children.“

Child Care Quaterly 15. 1986. 27-37.

4 Natürlich, durch entsprechende Methoden der Bestrafung kann man die Kinder so „erziehen“, dass sie sich

aus Furcht vor Strafe anpassen und sich dann „richtig“ verhalten, so, als würden sie bereits über ein gereiftes

Gehirn verfügen; in Wahrheit tun sie das aber nicht. Die Früchte solch erzwungenen „Bravseins“ zeigen sich

dann oft in der Pubertät oder generell im eher distanzierten Verhältnis der Kinder zu ihren Eltern.

5 Nach Kohn, Alfie. Liebe und Eigenständigkeit. Die Kunst bedingungsloser Elternschaft, jenseits von Belohnung und Bestrafung. 2010.

Arbor Verlag, Freiburg. 82ff.

6 Interessant dazu ist auch folgende Aussage: „Wenn Eltern und Lehrer körperliche Strafen durch andere Arten von Strafen ersetzten,

würden sie Kindern dadurch zwar nicht beibringen, zu schlagen, zu hauen und zu treten; aber sie würden dennoch die Vorstellung

aufrechterhalten, das Zufügen von Schmerz sei eine legitime Art, Macht auszuüben. … Die Folge kann eine nicht weniger starke

Untergrabung von Mitgefühl und sozialem Interesse sein.“ McCord, Joan. „Questioning the Value of Punishment.“ Social Problems 38.

1991. 175f.

7 Das Gleiche gilt übrigens auch für das Konzept des „Belohnens“. Leider ist in diesem Artikel kein Platz, um darauf noch genauer

einzugehen.

8 White, Ellen. Das Leben Jesu. Saatkorn-Verlag, Hamburg. 477. (Hervorhebungen durch mich)

9 White, Ellen. Erziehung. 1998. Advent-Verlag, Hamburg. 288.

10 MacNamara, Deborah. Vertrauen Spielen Wachsen: Kinder unter 7 verstehen (und alle, die sich so benehmen…). 2017. Genius,

Bremen. 259.

11 adaptiert von Instagram: @inBindung

12 „Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?“ (Römer 2,4)

13 siehe dazu auch: Juul, Jesper. 2016. Leitwölfe sein: Liebevolle Führung in der Familie. Beltz, Weinheim.

14 Wenn Eltern nicht in der Lage sind, dies einem Kind zu vermitteln, kann es im Umkehrschluss zu Alphaproblemen kommen. Das Kind

fängt dann an, für die Beziehung zu arbeiten und die Verantwortung zu übernehmen. (ausführlich dazu: McNamara, ab S. 133)

15 White. Das Leben Jesu. 11f.




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